Brief von DKF an Amnesty International

Brief von DKF an Amnesty International

Sehr geehrte Damen und Herren,

Massenverhaftungen der Kabylen in diesen Tagen durch die Repressionskräfte Algeriens haben keine Reaktion von Amnesty International hervorgerufen. Über 150 Mitglieder der Bewegung für Selbstbestimmungsrecht der Imazighen (hier gemeint die Kabylen) in Algerien wurden auf dem Weg zum Kongress von MAK (Mouvement pour  l’Autodermination de la Kabylie) von der Polizei und Gendarmerie verhaftet und den ganzen Tag in Polizeigewahrsam gehalten.

Außerdem droht ein Bürgermeister die Kirchen, in der Kabylei zu schließen. Wer redet darüber in Europa? Wann nehmen AI und die westliche Presse das Leiden der Berberischen (amazighischen Bevölkerung) in Algerien wahr?

Warum reagiert AI sofort und vehement auf Menschenrechtsverletzungen in China, in Israel etc. und in Algerien nicht? Obwohl Algeriens Politik in Nord-Afrika die Apartheid in der neuen Verfassung verankert hat, wie damals bei den Buren in Süd-Afrika, verschweigen die Menschenrechtsorganisationen die Berichterstattung hierüber!

Wann kann AI die Weltöffentlichkeit für die Rechtslage der Imazighen sensibilisieren? Will AI erst warten, bis das Ende der totalen Vernichtung der Imazighen-Völker erreicht ist?

Wir bitten um Stellungnahme.

Im Voraus haben sie einen besten Dank

A. Enderle-Ammour

Die Antwort von Amnesty International

herzlichen Dank für Ihre Nachricht an Amnesty International. Unsere Organisation bemüht sich darum, schwere Menschenrechtsverletzungen in allen Ländern der Erde zu recherchieren und zu bekämpfen.  Dabei ist es ein wichtiges Prinzip unserer Arbeit, dass alle Informationen sorgfältig durch Experten des Internationalen Sekretariats (Hauptsitz London) geprüft werden, bevor öffentliche Stellungnahmen stattfinden. Nur durch diese genaue Prüfung und die Recherche von Hintergrundinformationen haben unsere Stellungnahmen eine hohe Verlässlichkeit und können damit überhaupt erst die entsprechende Wirkung in Medien und Politik erzielen.

Leider sind unsere Mittel allerdings sehr begrenzt. Mit diesen Mitteln ist es schlicht nicht möglich, alle Vorkommnisse gleichermaßen intensiv zu recherchieren und darauf öffentlich zu reagieren. Auch in vielen anderen Ländern sind wir gezwungen, einige Geschehnisse nicht enger zu verfolgen, weil unsere Experten schon mit vielen anderen Geschehnissen beschäftigt sind. Amnesty International hat aber in der Vergangenheit durchaus auch zur Situation in der Kabylei berichtet. Es stimmt aber, dass zur Zeit leider aufgrund vieler anderer Krisen die Lage in Algerien wenig thematisiert wird.

Ich werde Ihre Stellungnahme an unsere Experten im Internationalen Sekretariat weiterleiten. Wenn Sie weitere Informationen zu den jüngsten Ereignissen haben, die sich nicht schon auf den einschlägigen Webseiten finden, würde ich auch diese weiterleiten.

Mit den besten Grüßen
Matthias Katzer

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