Die Kabylei heute

Die Kabylei heute

KABYLEI (Tamurt) – Die Kabylei ist eine Region des Atlasgebirges in Nordafrika. Sie ist eine Bergregion in Nordalgerien und grenzt an das Mittelmeer.
Ihre Bewohner heißen „Kabylen“ und gehören zu den sogen. „Berbern“, die man als Ureinwohner Nordafrikas bezeichnen kann. Die „Berber“ selbst nennen sich „Imaziɣen“. Auf Deutsch kann man sie Masiɣen nennen.

Nordafrika wurde von vielen ausländischen Eroberern besetzt:
Phönizier; Römer; Vandalen; Byzantiner; Araber; Osmanen; Franzosen.
Nur die arabisch-islamische Eroberung und die französische Kolonialherrschaft konnten Nordafrika kulturell und politisch stark beeinflussen. Die Mehrheit der Bewohner Nordafrikas ist islamisiert und zum Teil arabisiert.

Kurz nach dem Einmarsch der Französischen Armee nach Algerien (1830) wurde das Land im Jahr 1848 per Gesetz als Bestandteil Frankreichs proklamiert. „L‘Algérie c‘est la France“ Die Kabylen haben einen wichtigen Beitrag zur Befreiung Algeriens von der französischen Kolonialmacht geleistet.

Seit der Unabhängigkeit Algeriens im Jahr 1962 versuchen alle seine Regierungen die gesamte algerische Bevölkerung zu arabisieren.

Vor allem die Kabylen wehren sich gegen diese Politik, die etwas aus ihnen machen will, was sie nicht sind. Sie kämpfen mit friedlichen Mitteln für die Anerkennung ihrer Kultur und Sprache in ihrem eigenen Land.

Im Jahr 1980 kam es in der Kabylei zu heftigen Demonstrationen gegen die aggressive Arabisierungspolitik der algerischen Regierung. Die kabylischen Demonstranten forderten auch Demokratie und die Einhaltung der Menschenrechte. Dieses Ereignis wird seitdem jedes Jahr als masirischer (Berberischer) Frühling von den Kabylen aber auch von anderen Masiren gefeiert.

2001 und 2002 kam es wieder zu Unruhen in der Kabylei. Während der Demonstrationen wurden mehr als 120 kabylische Jugendliche von algerischen Sicherheitskräften erschossen/getötet. Dieses tragische Ereignis wird seitdem als „kabylischer schwarzer Frühling“ bezeichnet.

Die algerische Regierung reagierte mit der Verankerung der masirischen Sprache in der Verfassung als „nationale Sprache“, um die Kabylen zu beruhigen.

Doch die Forderungen der Kabylen gehen weiter. Als Reaktion auf die Ermordung der friedlichen kabylischen Demonstranten wurde im Jahr 2001 eine Bewegung für die Autonomie der Kabylei gegründet (MAK).

Seit 2015 fordert diese Bewegung sogar die Selbstbestimmung des kabylischen Volkes.

Auch die Offizielle Anerkennung der masirischen Sprache in der algerischen Verfassung Anfang des Jahres 2016 hat die Anhänger dieser Bewegung nicht überzeugt.

Nach Ansicht des MAK hat die algerische Regierung in Wirklichkeit nicht die Absicht die masirische Sprache neben der arabischen als Amtssprache anzuwenden.

Artikel 178 dieser Verfassung unterstreicht die Stellung der arabischen Sprache des Staates Algerien, die nicht revidiert werden darf. Dagegen wird die masirische Sprache nicht erwähnt.

Diese offizielle Anerkennung ist also keine Garantie, dass der algerische Staat diese Sprache als Amtssprache benutzen wird.

Am letzten 20. April (2016) sind tausende Kabylinnen und Kabylen für ihre kulturellen und politischen Rechte auf die Straße gegangen. Sie skandierten Parolen wie „Machthaber Verbrecher“ „für Unabhängigkeit der Kabylei“.

Von Akli Kebaili 
12.07.2016

Literatur:

– A. Kebaili, Demokratie als einzige Lösung“, in: „Tatort Algerien“, Hg. Donata Kinzelbach,    Mainz 1998.

– Akli Kebaili, „Die Kabylei zwischen Autonomie und Assimilation“, in Pogrom 259_2/2010

http://diekabylei-landleute.blogspot.de/p/die-kabylei-infos-und-geschichte.html

https://www.kabyle.com/tamurt-azwa-kabylie-pays-kabyle-616-19092008

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