Massaker von Paris – Paris gedenkt einer Tragödie

{{Paris (Frankreich):}} Gestern versammelten sich um die 100 Kabylen, Franzosen, aber besonders Kabylen, um den Opfern des 17. Oktobers 1961 zu gedenken.
Gegen 17 Uhr versammelte sich die Menge in Höhe der Brücke Saint Michel.
Viele kamen mit ihren kabylischen Fahnen, die schon von weitem zu sehen waren. Zu hören war Musik von Matoub Lounes, dem kabylischen Märtyrer und Sinnbild für Freiheit der Kabylei. Es gab ein relativ hohes Polizeiaufgebot und viele Polizisten in Zivil – genau so wie damals.

Der Anavad Präsident Ferhat Mehenni kam in Begleitung des Vizepräsidenten Lyazid Abid. Mehenni legte zum Gedenken ein Blumengebinde unter die Plakette, die an diesen Schreckenstag erinnern soll. Danach ertönte die kabylische Hymne.

Während der Zeremonie fing es an zu regnen, aber die Zuschauer waren so sehr in die Rede Mehennis vertieft, dass es kaum jemand wahrzunehmen schien. Es war, als wollte selbst der Himmel die Opfer beweinen.
“Es schauderte und schüttelte einen innerlich bei Mehennis Worten und wir haben sehr intensiv der Menschen gedacht, die damals vor 52 Jahren an eben diesem Tag ihr Leben ließen,” sagte eine Teilnehmerin.

{{Was damals geschah}}

Sie wollten nur demonstrieren, gegen den Krieg in ihrer Heimat und gegen die Restriktionen gegen sie in Frankreich… Aber es war eine verbotene Demonstration. Sie waren in ihrer besten Sonntagskleidung erschienen, sie wollten keine Gewalt, sie wollten nur auf das aufmerksam machen, was Unrecht war: der Krieg in ihrer Heimat, Folter und Tod für ihre Angehörigen und für sie selbst stickte Ausgangsverbote, die ihnen das Leben in Frankreich praktisch unmöglich machten.

{{Algerier von der französischen Polizei getötet.}}

Viele – zu Viele ließen bei dieser friedlichen Demonstration ihr Leben.

Heute kamen die Menschen in Paris zusammen, um genau dieser Menschen zu gedenken: Menschen, die nicht schwimmen konnten, wurden – zum Teil gefesselt – in die eiskalte Seine geworfen, noch Tage schwammen ihre Leichen herum.
Andere wurden mit Eisenstangen niedergeknüppelt und starben, oder sie wurden bei diesem Blutbad kaltblütig erschossen. Wieder andere wurden tagelang provisorisch interniert. Ihre Familien wussten nicht einmal, ob sie überhaupt noch am Leben waren.

Damals wurde diese Tragdie in den Medien totgeschwiegen, Fotos die zur Entwicklung gegeben wurden, verschwanden einfach und erst langsam findet dieses Ereignis den Weg in die Köpfe der Franzosen. Es ist teilweise auch bis heute noch Tabu behaftet.

{{Zahl der Toten massiv runtergespielt}}

Die genaue Zahl der Toten ist bis heute nicht genau bekannt. Polizeiliche Angaben sprachen damals von drei Toten – eine vollkommen absurde Zahl. Spätere Zahlen gehen von 32 Toten aus, andere von 384. Die Zahl liegt vermutlich aber noch viel höher, weil es bis heute Vermisste Demonstranten gibt, die niemals gefunden wurden.

Um die 500 Algerier wurden im Anschluss nach Algerien deportiert.

Das ANAVAD unter Mehenni bemüht sich, dass die Opfer nicht vergessen werden, oder dass man ihrer überhaupt erst einmal gedenkt und so organisieren sie jedes Jahr diese Kundgebung am Place Saint Michel.

Uli Rohde – für tamurt.info

Fotos: ©Tamurt.info

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