Reisewarnung für die Kabylei : Anavads Antwort an John Kerry

Reisewarnung für die Kabylei : Anavads Antwort an John Kerry

KABYLEI (Tamurt) – Jegliche auftretende Sicherheitsrisiken gehen vom als Terroristen getarnten algerischen Militär aus. Wie soll man sonst die grausamen Taten, wie den Mord an Hervé Gourdel erklären, nachdem 100.000 Soldaten der algerischen Armee für 15 Jahre in die kabylische Region versetzt worden sind, um angeblichen Terror zu bekämpfen?

Dem ehrenwerten John F. Kerry,Außenminister der Vereinigten Staaten von Amerika

Sehr geehrter Herr Außenminister Kerry,

im Namen von Anavad, der kabylischen Regierung, grüße ich Sie.

In meinem Schreiben nehme ich Bezug auf die neueste Reisewarnung, die am 24. Februar 2015 durch das amerikanische Außenministerium veröffentlicht wurde, in welcher die Kabylei als gefährliches Reiseziel genannt wurde. Als Einwohner der Kabylei hat uns das sehr überrascht.

Der Anavad kann Ihre Bedenken und die Pflicht, die Einwohner aller Länder weltweit zu schützen, jedoch nachvollziehen. Wir würden dasselbe tun, wenn wir über die nötigen Ressourcen verfügen würden. Dennoch wollen wir Ihre Aufmerksamkeit in diesem zweiten Brief auf das komplexe Verhältnis zwischen Algerien und der Kabylei lenken. Die Kabylei ist eine historische Region im Kampf um Demokratie in Nordafrika.

Die Kabylen – Imazighen – ein säkulares und demokratisches Volk, können und wollen nicht Teil einer arabisch-islamischen Diktatur in Algerien sein. Sie können und wollen kein Teil eines Staates sein, der nicht ihr eigener ist, den sie sich nicht selbst aufbauen und den sie nicht in den Vereinten Nationen repräsentieren.

Momentan ist die Kabylei ein besetztes Gebiet, in dem die algerische Regierung wie eine Kolonialmacht handelt und in dem schwer bewaffnete militärische und paramilitärische Kräfte eingesetzt werden. Die Straßen der Kabylei sind durch Grenzposten der Armee, die durchschnittlich etwa alle zehn Kilometer voneinander entfernt sind, durchsetzt. Bereist man die Kabylei bekommt man den Eindruck, man befände sich in einem Kriegsgebiet, obwohl es faktisch keinen Krieg gibt.

Die extreme Militärpräsenz ist nicht etwa Teil einer Strategie der algerischen Regierung, um islamistischen Terror zu bekämpfen, genauso wenig wie sie zum Schutz der Zivilisten beiträgt.

Der einzige und alleinige Sinn besteht darin, jeglichen Volksaufstand für den Frieden und für die Unabhängigkeit der Kabylei vorzubeugen und zu unterbinden. Für die Menschen in der Kabylei gibt es keine Terroristen, außer den von der algerischen Regierung gesandten Agenten des algerischen Aufklärungsdienstes – DRS–, die als Terroristen getarnt dafür sorgen, die Welt glauben zu lassen, die Kabylen würden den Islamismus gewähren lassen. Die Kabylei verpflichtet sich für Freiheit, Demokratie und den vollen Respekt der Menschenrechte.

Wenn die Kabylei über die notwendigen Sicherheitsressourcen verfügen würde, hätte sie sich das besetzte Territorium schon lange von den islamistischen Terroristen zurückerobert. Jegliche auftretende Sicherheitsrisiken gehen vom als Terroristen getarnten algerischen Militär aus. Wie soll man sonst die grausamen Taten –  wie den Mord an Hervé Gourdel –  erklären, nachdem 100.000 Soldaten der algerischen Armee für 15 Jahre in die kabylische Region versetzt worden sind, um angeblichen Terror zu bekämpfen? Die skandalöse Inszenierung der Gourdel-Affäre hat eine der heiligsten kabylischen Traditionen „anaya“ – die Möglichkeit, Gäste zu beherbergen bzw. zu schützen – verletzt.

Die algerischen Obrigkeiten haben heute nicht den Willen, islamistischen Terror zu bekämpfen. Sie waren einst dessen Initiatoren und sind jetzt dessen Beschützer. Andererseits haben sie den starken Willen, all jene zu bekämpfen, die für ihre Freiheit einstehen, insbesondere die Freiheit der Kabylen zur Selbstbestimmung. Am 20. April 2014während der Feier des kabylischen Frühlings zeigten wir ein Video, in welchemdeutlich wird, mit welcher Brutalität die rassistische algerische Polizei den friedlichen Marsch des 20. April gewaltsam unterbunden hat.

Ein Staat wie Algerien, der eine Demokratie unterdrückt und islamistischen Terror schützt – leitende Beamte, die ihre Stellung missbrauchen, haben wieder und wieder bewiesen, dass der algerische Geheimdienst hinter den terroristischen Gruppierungen steht – verdient es nicht länger, in einer Welt zu bestehen, die Frieden und Sicherheit anstrebt.

Wir müssen schnell handeln, da die algerische Regierung mittelsdes dortigen Schulsystemsdie SchülerInnenlehrt, Juden und den Westen zu hassen. Auf diese Weise wachsen in Algerien Kandidaten für einen Jihad in Europa und Amerika heran und er wird immer wahrscheinlicher.

Sir,

Anavad arbeitet an der Selbstbestimmung der Kabylen, um es kabylischen Kindern zu ermöglichen, eine Schule zu besuchen, die ihnen Werte und den Respekt vor dem Lebenvermittelt, die Rechte von Individuen und Gemeinschaften sowie Respekt vor dem Glauben und der Natur lehrt. Wir kämpfen für eine Freundschaft zwischen Ihren und unseren Kindern.

Uns ist bewusst, dass Ihre Unterstützung für Algerien lediglich auf geostrategische Überlegungen basiert. Sie brauchen mutmaßliche Verbündete, um Spannungen in der Welt zu lindern, wenn nicht sogar zu reduzieren. Allerdings erscheint uns Ihre Stellung zur kolonialen algerischen Regierung unpassend, da sie gegensätzlich ist zu dem amerikanischen Interesse an Sicherheitsbelangen und den amerikanischen Freiheitswerten.

Müssen wir Sie daran erinnern, dass das algerische Regime vergleichbar ist mit dem im Irak, welches die Amerikaner rechtmäßig bekämpft haben?

Saddam Hussein hat am 16.März 1988 mehr als 180.000 kurdische Zivilisten vergast; das Regime in Algerienunterdrückt 10 Millionen Kabylen bereits seit seiner Unabhängigkeit 1962. Tausende wurden1963 und 2001von algerischen Sicherheitsdiensten gefangen genommen und gefoltert oder ermordet.

Sehr geehrter Herr Außenminister Kerry,

ich bin überzeugt, Sie sind sich bewusst, dass die Kabylen, die sich durch Anavad Gehör verschaffen, Freunde und Verbündete der Vereinigten Staaten sind. Aus diesem Grund hoffen wir, dass das Außenministerium der Vereinigten Staatenfrüher oder später Konsequenzen ziehen wird. Anavad ist dazu bereit, unsere Freundschaft und das Bündnis tragbar und real umzusetzen.

München, 02. März 2015

Lyazid Abid,

Vizepräsident und Minister fürinternationale Beziehungen

lyazid.abid@kabylie-gouv.org

Share This Post

One Comment - Write a Comment

  1. Herr Minister Jean Kerry sag einfache Ihr Gastgeber danke, habe ich grade ein Cheeseburger gegessen und hamdulah bin ich satt, diese Süßigkeiten seht wie Affen Futter aus!

    Reply

Post Comment


*